Antifaschistische Gruppe Südthüringen
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Langewiesen: Akzeptierende Jugendarbeit bereitet Nazis den Boden

Dass Neonazis in Langewiesen durch die Stadtpolitik und die Verantwortlichen für Jugendeinrichtungen geradezu hofiert werden, ist nichts neues. Neu ist, dass sich an diesem Zustand mit der Aufnahme der Arbeit durch den neuen Jugendpfleger Michael Hornschuh nichts ändern wird. Wir berichten.

Brennpunkt Langewiesen

Zu oft mussten in den letzten Jahren antifaschistische Gruppen über den Naziterror in der Kleinstadt berichten. Mehrfach wurde die „Garage“, ein selbstverwalteter linker Jugendtreff, und ihre Besucher_innen von Neonazis angegriffen. Die linke Szene der Kleinstadt hält bis heute dagegen. Wir dokumentieren hier vorab nochmal die älteren Berichte:

Naziüberfall in Langewiesen23.06.05

Ein Antifaschist berichtet über einen brutalen Naziangriff auf einen jungen Linken.


Langewiesen: Nazi-Mob stürmt und verwüstet linken Treffpunkt - 11.09.05

Der erste Angriff auf die Garage. Es sollten weitere folgen.


Rechtsextremer Alltag in Langewiesen (Thür) - 05.12.2005

Diese Veröffentlichung der Antifa-Gruppe Left Resistance Arnstadt (LRA) sorgte für viel Wirbel. Das Gästebuch des rechts offenen Langewiesener Jugendclubs wurde abgeschaltet und eine die Antifa diffamierende und für sich selbst sprechende Erklärung eingestellt. Heute ist die Homepage des „Reizverschluss e. V.“ komplett vom Netz.


Thür: Brandanschlag in Langewiesen30.04.06

Bericht vom Brandanschlag auf die Garage.


Langewiesen - rechter Alltag einer Kleinstadt - Sommer 2007

Artikel aus der Broschüre „... den Wald vor lauter Bäumen nicht?!“


Der letzte bekannte versuchte Angriff auf die Garage ist erst wenige Tage her, als Angreifer des Nachts versuchten die Tür der Garage aufzubrechen und sich Zugang zu verschaffen. Vergebens, die Garage ist mittlerweile nach außen besser abgesichert vor Naziangriffen.

Neuer Jugendpfleger – altes Leid

Michael Hornschuh heißt der neue Jugendbeauftragte der Südthüringer Kleinstadt Langewiesen. Er löst Guntram Geißler ab. Geißler gab während einer Informationsveranstaltung von MOBIT (Mobile Beratung für Demokratie, gegen Rechtsextremismus in Thüringen) zu verstehen, dass er in den neunziger Jahren schon an Demonstrationen von Neonazis gegen die Wehrmachtsausstellung in Dresden teilnahm.
Doch auch Michael Hornschuh ist kein Unbekannter. Hornschuh ist Mitbegründer des „Reizverschluss e. V.“, dem Trägerverein des Langewiesener Jugendclubs, der in den vergangenen Jahren damit auffiel, dass seine neofaschistischen Besucher_innen zu dutzenden linke Jugendliche und den selbstverwalteten linken Jugendclub „Garage“ angegriffen haben.

„Wir leisten offene Jugendarbeit. Das bedeutet, wir werden niemandem den Stuhl vor die Tür setzen, solange er sich anständig benimmt.“ - so beschreibt Hornschuh sein Verständnis von akzeptierender Jugendarbeit in der Tageszeitung „Freies Wort“ vom 23.01.08. Zusammenarbeiten möchte er nicht nur mit den jungen Nazis im Club, die selbst Hornschuh nicht verborgen blieben, sondern auch mit deren liebsten Opfern, den linken Jugendlichen aus dem selbstverwalteten Jugendtreff „Garage“. Diese werden auf das Angebot wohl eher nicht mit Begeisterung reagieren. Und ist es nicht wegen der perversen Ideologie der Jungfaschisten im Club, so ist es die Tatsache, dass die Garage und ihre Besucher_innen in den vergangenen Monaten und Jahren unzählige Male Opfer der schlagenden Nazis wurden, die im Club verkehren.

Wie die Stadt Langewiesen den Nazis den Boden bereitet
Wie nicht anders zu erwarten, führt Hornschuh die Jugendpolitik Geißlers fort und das Geklüngel der Neonazis im städtischen Jugendclub geht weiter. Das Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit scheitert dort, wo Neonazis Raum vereinnahmen und ihn so für Migrant_innen, Linke, Homosexuelle, u.a. unbetretbar machen. Schließlich sind Neonazis nicht die ungezogenen Jungs von nebenan, sie sind die Vertreter einer Ideologie, die 1933 nach Auschwitz führte, die von 1933 bis 45 mehr als 6 Millionen unschuldige Menschen (Juden_Jüdinnen, Kommunist_innen, Homosexuelle, Gewerkschafter_innen, Sozialdemokrat_innen, bekennende Christ_innen, ...) in den deutschen Vernichtungslagern das Leben kostete. Den geistigen Enkeln der Mörder von damals bereitet Jugendpfleger Michael Hornschuh heute den Raum zum Agitieren.
Hornschuh, selbst kein bekennender Neonazi, setzt damit Maßstäbe und offenbart so die unfassbaren Zustände im südthüringer Hinterland. Hier funktioniert der Vormarsch rechter Denkweisen, bzw. die Akzeptanz dieser, reibungslos seit Jahren und ohne Intervention der NPD oder rechter Kameradschaften. Dass es dieser in Langewiesen nicht bedarf, dafür sorgen die Gönner der Nazis, ihnen voran Langewiesens neuer Jugendpfleger. Wir wünschen den Antifaschist_innen in Langewiesen, die Kraft dem städtisch hofierten Naziterror stand zu halten.


Presse:

Neuer Jugendpfleger
Alle Gruppen einbeziehen
Michael Hornschuh kennt sich aus in der Langewiesener Szene
Von Wolfgang Rauprich

Langewiesen – Nach Wochen mit einem freien Stuhl auf der Stelle des Jugendpflegers in Langewiesen, ist diese nun wieder besetzt. Michael Hornschuh wird vorerst für ein Jahr die Angelegenheiten der Jugend in Langewiesen in die Hände nehmen. Der gebürtige Langewiesener war zwölf Jahre bei der Bundeswehr im Stabsdienst in Gotha tätig. Momentan ist er noch Student der Angewandten Medienwissenschaft an der TU Ilmenau. Das Studium will er nun aber erst einmal ruhen lassen, um sich ganz der neuen Aufgabe zu widmen.

Jugendarbeit ist für Hornschuh allerdings nichts Neues. In den frühen 1990er Jahren gehörte er zu den Mitgründern des Vorläufervereins des heutigen „Reizverschluß“ e.V. Auch den „Reizverschluß“ e.V. prägte er in den vergangenen Jahren als Vorstandsmitglied entscheidend mit. Zur Vorstandswahl im Dezember vergangenen Jahres wurde Michael Hornschuh zum Vorsitzenden gewählt.

Der 32-Jährige sah eine seiner Aufgaben in der Vereinsarbeit darin, Jugendliche unter 18 Jahren zu befähigen, bei ihrer Volljährigkeit, die Arbeit im Verein selbst organisieren zu können. Hornschuh: „Die jungen Leute müssen diese Dinge irgendwann selbst in die Hände nehmen, damit wir über 30-Jährigen uns von der Spitze zurückziehen können.“

In seiner Arbeit als Jugendpfleger will Michael Hornschuh den Jugendförderplan der Stadt Langewiesen zur Grundlage seiner Arbeit machen: „Dabei werden die Städtepartnerschaften mit Schöffengrund und Chauray in Frankreich, die ja für Langewiesen insgesamt von großer Bedeutung sind, eine wichtige Rolle spielen.“ Auf die Stadt bezogen hat er sich vorgenommen, die Jugendarbeit in den unterschiedlichsten Vereinen Langewiesens so zu koordinieren, dass ein Gesamtangebot für Jugendliche entsteht.

Als ganz wichtige Aufgabe nennt Hornschuh die Einbeziehung der verschiedensten Jugendgruppen in seine Arbeit: „Wir leisten offene Jugendarbeit. Das bedeutet, wir werden niemandem den Stuhl vor die Tür setzen, solange er sich anständig benimmt.“ In Langewiesen gäbe es keine ausgeprägte rechtsradikale Szene, allenfalls einzelne rechte Jugendliche. Auch diese will er nicht ausschließen, so wie er die eher links eingestellten Jugendlichen der „Garage“ stärker in die städtische Jugendarbeit einbinden möchte.

Von der Stadt Langewiesenwünscht sich Michael Hornschuh Unterstützung für den Bau eines Beach-Volleyball-Feldes: „Unsere jungen Leute sind bei solchen Vorhaben wie immer bereit, selbst kräftig zuzugreifen.“

In der Druckausgabe des Freien Wort erschien außerdem folgendes Foto:



Daniel Büttner gehört zum festen Kern der Langewiesener Neonazi-Szene.


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